Wer kennt das nicht: Anmeldungen per E-Mail, Mitgliederdaten in Excel, Abrechnungen kurz vor dem Nervenzusammenbruch. Für Hannes Blauensteiner, Obmann der SPORTUNION Tulln, war das Antrieb genug, um selbst eine Lösung zu bauen. KASU ist eine digitale Vereinsplattform, die Verwaltung nicht nur digitalisiert, sondern automatisiert – und Ehrenamtlichen das zurückgibt, was ihnen am meisten fehlt: Zeit für den Sport. Im Interview erklärt Blauensteiner, wie KASU entstanden ist, was es von anderen Lösungen unterscheidet und warum digitale Souveränität für Vereine kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist.
SPORTUNION Österreich: Als Einstiegsfrage für alle, die es noch nicht wissen: Was konkret ist eigentlich KASU?
Hannes Blauensteiner: KASU ist eine digitale Vereinsplattform, die speziell für die Anforderungen von Sportvereinen entwickelt wurde. Ziel ist es, Verwaltungsaufwand zu reduzieren und Vereinen mehr Zeit für das Wesentliche zu geben: den Sport. KASU verbindet Mitgliederverwaltung, Online-Anmeldung, Beitragsmanagement, Trainer:innenverwaltung, Personalplanung, PRAE-Abrechnung, Kommunikation, Sportstättenmanagement und Auswertungen in einem System – automatisiert, praxisnah und auf die Realität im Vereinsalltag abgestimmt.
SPORTUNION Österreich: Was war der konkrete Auslöser, diese Software überhaupt zu bauen? Gab es einen bestimmten Moment, in dem du als Obmann der SPORTUNION Tulln gedacht hast: Das muss sich ändern?
Hannes Blauensteiner: Es gab keinen einzelnen Moment – sondern viele kleine Situationen im Vereinsalltag. Wir haben gesehen, wie viel Zeit Ehrenamtliche mit Excel-Listen, Anmeldungen, Abrechnungen und organisatorischen Tätigkeiten verbringen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, Menschen für Vereinsfunktionen zu gewinnen. Irgendwann war klar: Wenn Vereine langfristig erfolgreich bleiben sollen, brauchen wir nicht mehr Verwaltung – sondern intelligentere Prozesse. Daraus ist KASU entstanden.
Einfach und effizient

SPORTUNION Österreich: Welche Probleme im Vereinsalltag hast du selbst am stärksten gespürt, bevor es KASU gab?
Hannes Blauensteiner: Viele Vereine kämpfen mit denselben Herausforderungen: Daten liegen an mehreren Orten, Mitglieder werden mehrfach erfasst, Anmeldungen laufen manuell und Abrechnungen kosten enorm viel Zeit. Dazu kommen Meldungen an Dachverbände, Kommunikation und organisatorische Abstimmungen. Mit KASU konnten wir diese Probleme lösen, indem wir Prozesse automatisiert und in einer Plattform zusammengeführt haben. Statt Daten mehrfach zu pflegen, entstehen heute viele Abläufe automatisch – von der Anmeldung über die Organisation bis zur Abrechnung.
Wenn Vereine langfristig erfolgreich bleiben sollen, brauchen wir nicht mehr Verwaltung – sondern intelligentere Prozesse
SPORTUNION Österreich: Wie lange hat die Entwicklung bis zur ersten einsatzfähigen Version gedauert, und was war die größte Herausforderung dabei?
Hannes Blauensteiner: Von der ersten Idee bis zur produktiven Version vergingen mehrere Entwicklungsphasen. Die größte Herausforderung war nicht die technische Umsetzung, sondern die Komplexität des Vereinsalltags richtig abzubilden. Unser Anspruch war nie, bestehende Prozesse einfach zu digitalisieren – sondern sie einfacher und effizienter zu machen.

SPORTUNION Österreich: Was unterscheidet KASU konkret von anderen Vereinsverwaltungslösungen am Markt? Und was können externe Entwickler schlicht nicht so gut lösen wie jemand, der selbst Vereinserfahrung hat?
Hannes Blauensteiner: KASU wurde nicht für Vereine entwickelt – sondern aus einem Verein heraus. Genau das macht den Unterschied. Wir kennen die täglichen Herausforderungen aus eigener Erfahrung und wissen, welche Prozesse wirklich Zeit kosten. Deshalb denken wir nicht in Softwarefunktionen, sondern in Vereinsabläufen. Viele Lösungen digitalisieren Verwaltung – KASU automatisiert sie.
SPORTUNION Österreich: Die automatisierte L19-Meldelogik ist bei KASU ein zentrales Feature. Wie funktioniert das technisch, und wie viel Zeit spart das einem Verein im Schnitt wirklich?
Hannes Blauensteiner: Die L19-Meldelogik nutzt bereits vorhandene Daten aus dem Vereinsbetrieb und verarbeitet diese automatisiert für die notwendigen Meldestrukturen. Dadurch entfallen manuelle Zwischenschritte und Mehrfacheingaben. Prozesse, die bisher oft mehrere Stunden oder Tage Aufwand bedeutet haben, reduzieren sich auf wenige Minuten Kontrolle und Freigabe.
Viele Lösungen digitalisieren Verwaltung – KASU automatisiert sie
SPORTUNION Österreich: Welche Funktion in KASU überrascht neue Nutzerinnen und Nutzer vermutlich am meisten?
Hannes Blauensteiner: Viele Nutzer:innen sind überrascht, wie stark die einzelnen Bereiche miteinander vernetzt sind. Besonders die Kombination aus digitaler Mitgliederanmeldung, automatisierter Beitragslogik, Trainer:innenplanung und digitaler PRAE-Abrechnung zeigt sehr schnell, wie viel Verwaltungsaufwand plötzlich wegfällt.
SPORTUNION Österreich: Skalierbarkeit ist ein Versprechen: Kleine Vereine sollen denselben Funktionsumfang erhalten wie große. Wo liegen trotzdem noch Grenzen?
Hannes Blauensteiner: Unser Ansatz ist bewusst anders: Jeder Verein erhält bei KASU den vollständigen Funktionsumfang – unabhängig von seiner Größe. Der Unterschied liegt nicht darin, welche Funktionen verfügbar sind, sondern welche davon tatsächlich genutzt werden. Ein kleiner Verein startet vielleicht mit Mitgliederverwaltung und Online-Anmeldung, während größere Vereine zusätzlich Trainer:innenplanung, PRAE-Abrechnung oder Sportstättenverwaltung einsetzen. KASU wächst gemeinsam mit dem Verein mit – neue Prozesse können jederzeit ergänzt werden, ohne Systeme wechseln oder Daten migrieren zu müssen.

SPORTUNION Österreich: Wie ist die Kooperation mit der SPORTUNION entstanden?
Hannes Blauensteiner: Die Zusammenarbeit entstand aus einem gemeinsamen Verständnis: Vereine sollen weniger Zeit mit Verwaltung und mehr Zeit mit Sport verbringen. Die SPORTUNION bringt dabei ihre breite Vereinsperspektive ein und KASU die praktische Umsetzung digitaler Prozesse aus dem Vereinsalltag.
SPORTUNION Österreich: Was bedeutet diese Partnerschaft für KASU strategisch? Ist das ein Modell, das ihr auch mit anderen Dachverbänden anstrebt?
Hannes Blauensteiner: Die Partnerschaft bestätigt unseren Ansatz, Digitalisierung gemeinsam mit Vereinen und Verbänden weiterzuentwickeln. Unser Fokus liegt aktuell klar auf der erfolgreichen Zusammenarbeit mit der SPORTUNION und darauf, möglichst vielen Vereinen einen echten Mehrwert zu bieten. Grundsätzlich sehen wir großes Potenzial in Kooperationen, die Vereine nachhaltig stärken.
Die wichtigste Erkenntnis aus der Pilotphase war: Vereine suchen keine zusätzliche Software – sie suchen Entlastung
SPORTUNION Österreich: Während der Pilotphase haben ausgewählte Vereine KASU kostenlos getestet. Was hast du aus dieser Phase mitgenommen?
Hannes Blauensteiner: Die wichtigste Erkenntnis war: Vereine suchen keine zusätzliche Software – sie suchen Entlastung. Besonders wertvoll war das Feedback aus unterschiedlich großen Vereinen und Sportarten. Dadurch konnten wir Funktionen noch praxisnäher gestalten und Abläufe weiter vereinfachen.
SPORTUNION Österreich: Im Website-Text auf der SPORTUNION-Website wird bewusst betont, dass KASU aus Österreich kommt – und dort bleibt. Welche Rolle spielt das Thema digitale Souveränität für dich persönlich?
Hannes Blauensteiner: Eine sehr große. Vereine verwalten sensible Daten und brauchen Vertrauen. Deshalb war uns von Anfang an wichtig, KASU in Österreich zu entwickeln und langfristig hier zu verankern. Digitale Souveränität bedeutet für uns, Kontrolle über Daten, Transparenz und Verlässlichkeit – besonders dort, wo Ehrenamt und Vereinsarbeit auf moderne Technologie treffen.

SPORTUNION Österreich: KASU verspricht die strukturierte Nutzung von Daten zu Sportangeboten, Sportstätten und Mitgliederstrukturen, die bisher „in Einzelsystemen schlummerten”. Welche konkreten Möglichkeiten eröffnet das für Gemeinden und Landesverbände?
Hannes Blauensteiner: Durch die strukturierte Erfassung und Vernetzung der Daten entstehen erstmals völlig neue Möglichkeiten für Gemeinden, Vereine und Verbände. Ein konkretes Beispiel ist die Sportstättenvergabe: Gemeinden erhalten einen deutlich besseren Überblick über Auslastungen, Bedarfe und tatsächliche Nutzungen und können verfügbare Sportstätten einfacher, transparenter und bedarfsgerechter vergeben. Gleichzeitig entsteht erstmals ein gesamthafter Überblick über alle Sportangebote – auf Gemeindeebene, Landesebene und perspektivisch österreichweit – unabhängig davon, welcher Verein diese organisiert. Dadurch wird sichtbar, welche Angebote bereits vorhanden sind, wo Überschneidungen entstehen und wo Potenzial für neue oder ergänzende Sportangebote besteht. Für Gemeinden und Landesverbände entstehen dadurch bessere Entscheidungsgrundlagen für Planung, Förderung und die Weiterentwicklung des organisierten Sports – mit dem Ziel, bestehende Ressourcen optimal zu nutzen und Sportangebote noch gezielter an die Bedürfnisse der Bevölkerung anzupassen.
SPORTUNION Österreich: Wo siehst du KASU in fünf Jahren – sowohl als Produkt als auch als Unternehmen?
Hannes Blauensteiner: Wir wollen KASU als führende Plattform für digitales Vereinsmanagement im Sportbereich etablieren. Gleichzeitig soll KASU mehr sein als Verwaltung: ein Werkzeug, das Vereine dabei unterstützt, Mitglieder zu gewinnen, Ehrenamt zu entlasten und nachhaltige Vereinsentwicklung zu ermöglichen.
Digitalisierung bedeutet nicht, Bewährtes aufzugeben, sondern Zeit zurückzugewinnen
SPORTUNION Österreich: Welche Funktionen oder Integrationen stehen als nächstes auf der Roadmap?
Hannes Blauensteiner: Unser Fokus liegt auf weiterer Automatisierung, intelligenten Auswertungen und zusätzlichen Schnittstellen. Gleichzeitig entwickeln wir Funktionen weiter, die den Alltag von Funktionär:innen, Trainer:innen und Mitgliedern noch einfacher machen. Das Ziel bleibt unverändert: weniger Administration, mehr Zeit für Sport.
SPORTUNION Österreich: Was würdest du einem Vereinsobmann oder einer Vereinsobfrau sagen, die noch zögern, ihre Verwaltung zu digitalisieren?
Hannes Blauensteiner: Digitalisierung bedeutet nicht, Bewährtes aufzugeben – sondern Zeit zurückzugewinnen. Jeder Verein kennt Aufgaben, die notwendig sind, aber niemand gerne macht. Genau dort setzt KASU an: weniger Verwaltungsaufwand, weniger doppelte Arbeit und mehr Zeit für Menschen, Sport und Vereinsleben.
