“Wandel wäre spürbar, wenn Frauenförderung nicht mehr als Sondermaßnahme gilt, sondern als gelebte Normalität”

Anlässlich des Internationalen Frauentags (8.3.2026) spricht Ines Rapposch-Hödl, Präsidentin der SPORTUNION Tirol, über Verantwortung, Vorbilder und strukturelle Veränderungen im Sport. Im Interview mit SPORTUNION Österreich erzählt sie, was sie persönlich geprägt hat, wo Österreich in der Frauenförderung steht – und welche konkreten Schritte es braucht, damit Frauen in Führungsfunktionen künftig selbstverständlich vertreten sind.

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Du bist seit knapp einem halben Jahr Präsidentin des Landesverbands Tirol – was hat dich persönlich geprägt und warum war es dir wichtig, als Frau Verantwortung im Sport zu übernehmen?

Mein persönlicher Werdegang hat im Volleyballverein begonnen, meine ersten Funktionen im Verein habe ich bereits mit 16 übernommen. Verantwortung war für mich also schon in jungen Jahren normal. Ich wurde in meinem Elternhaus mit dem Selbstverständnis erzogen, dass Führung keine Frage des Geschlechts ist, sondern von Einsatz, Haltung und Kompetenz.

Wenn du auf den österreichischen Sport blickst: Wo stehen wir aktuell in der Frauenförderung – und was hat sich in den letzten Jahren spürbar verbessert?

Es hat sich schon etwas bewegt. Initiativen wie das EqualitA-Gütesiegel werden in vielen Verbänden thematisiert. Die verstärkte Sichtbarmachung von Frauen im Sport sowie klare Darstellungsrichtlinien und die jährliche Vergleichsdatenerhebung verändern die Wahrnehmung nachhaltig. Auch in den Vereinen sind positive Entwicklungen erkennbar. Dennoch bleibt noch viel zu tun, um wirkliche Gleichberechtigung und langfristige Teilhabe auf allen Ebenen sicherzustellen.

Wo siehst du weiterhin strukturelle Hürden, die Frauen im Sport – insbesondere in Führungsfunktionen – bremsen?

Historisch gewachsene, männlich geprägte Netzwerke und informelle Entscheidungsstrukturen erschweren den Zugang zu Führungsfunktionen. Unflexible Arbeitsmodelle sowie mangelnde Vereinbarkeit mit Beruf und Familie wirken zusätzlich bremsend. Stereotype Rollenbilder führen dazu, dass Frauen seltener für strategische Schlüsselressorts in Betracht gezogen werden.

Was braucht es konkret, um mehr Frauen in Führungspositionen im Sport zu bringen? Auf Vereins-, Landes- und Bundesebene?

Es benötigt verbindliche Zielvorgaben, transparente Wahlprozesse und die klare Verankerung von Gleichstellung in Statuten und Förderkriterien. Frauen in Führung sollen kein „Nice-to-have“, sondern ein strategisches Ziel sein. Gleichzeitig müssen Frauen frühzeitig angesprochen und gezielt qualifiziert werden. Verbesserte strukturelle Rahmenbedingungen wie flexible Sitzungsmodelle, digitale Beteiligungsmöglichkeiten und bessere Vereinbarkeit von Engagement, Beruf und Familie erhöhen die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Entscheidend ist zudem eine alle Ebenen übergreifende klare Haltung gegen Diskriminierung.

Welche Rolle kann der Sport an der Basis spielen, um Frauen gezielt zu fördern und langfristig für Funktionen zu gewinnen?

Eine große. Gezielte Nachwuchsförderung und die frühe Einbindung in Verantwortung machen Mut und stärken Kompetenzen. Entscheidend ist eine aktive Ansprache statt Abwarten, kombiniert mit Mentoring durch erfahrene Funktionär:innen und sichtbaren weiblichen Vorbildern im Verein. Durch Bewusstseinsarbeit im Vereinsalltag entsteht langfristig eine Kultur, in der Frauen selbstverständlich Funktionen übernehmen.

Welche Bedeutung haben weibliche Vorbilder im Leistungs- und im Vereinssport für die nächste Generation? Und gab es Frauen, die dich persönlich inspiriert haben?

Meiner Meinung nach eine enorme, weil sie Sichtbarkeit schaffen und Möglichkeiten greifbar machen. Gerade im Vereinssport wirken Vorbilder oft besonders nachhaltig, weil sie unmittelbar erlebbar sind: als Trainerin, Funktionärin oder ältere Teamkollegin. Meine erste Volleyballtrainerin war für mich so ein Vorbild.

Wenn du fünf Jahre nach vorne blickst: Woran würdest du erkennen, dass die Frauenförderung im Sport nachhaltig Wirkung zeigt?

Am deutlichsten wäre der Wandel dann spürbar, wenn Vielfalt als Stärke wahrgenommen wird und Frauenförderung nicht mehr als Sondermaßnahme gilt, sondern als gelebte Normalität. Eine nachhaltige Wirkung würde man dann daran erkennen, dass ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis in Vorständen, Präsidien und Schlüsselressorts selbstverständlich geworden ist, ohne dass es eigens thematisiert werden muss.

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