“Sport & Marke”: Wenn Sport alle erreichen soll

Vier Milliarden Euro kostet körperliche Inaktivität Österreich jedes Jahr. Beim Sport & Marke-Kongress diskutierten am 28. April vier Experten (unter ihnen SPORTUNION-Generalsekretär Christian Resch; 1. v. re.), weshalb Sport trotzdem noch immer nicht alle Menschen erreicht. Und was sich dagegen tun lässt.

Österreichs größter Sportbusiness-Branchentreff, der Sport & Marke Kongress, stellte heuer eine unbequeme Zahl an den Anfang: Vier Milliarden Euro – so hoch werden die jährlichen Kosten körperlicher Inaktivität im Land beziffert. Sie diente als Ausgangspunkt für eine grundlegende Frage: Warum schafft es der Sport noch immer nicht, alle Menschen zu erreichen? Vier Expertinnen und Experten mit unterschiedlichen Perspektiven suchten gemeinsam nach Antworten: Christian Resch (Generalsekretär der SPORTUNION Österreich), Conny Wilczynski (Co-Founder der Padelzone und ehemaliger Profinationalspieler), Martin Dolezal (CEO der Snowsports Academy) sowie Martin Reiner (CEO der HOB Sportstätten GmbH).

Sport ist niederschwellig, aber es mangelt am Stellenwert

Die SPORTUNION vertritt als Dachverband 4.700 Mitgliedsvereine mit über 700.000 Mitgliedern in über 220 Sportarten. Ihr Anspruch: nah an den Vereinen sein und ihnen die Rahmenbedingungen für einen qualitativ hochwertigen Vereinsbetrieb bieten – von der Gründung über Ausbildungen für Funktionär:innen und Trainer:innen bis hin zu Fragen rund um Haftung, Recht und Finanzen. Dass Sport in Österreich grundsätzlich leistbar ist, betonte Resch in der Diskussion deutlich. Ein Jahresbeitrag im Sportverein koste oft nicht mehr als ein einziger Monatsbeitrag in einer Musikschule. Der Preis sei daher selten das entscheidende Hindernis.

Gesellschaftliche Querschnittmaterie Sport

Woran es dem Sport fehlt, sei vielmehr der gesellschaftliche Stellenwert den er verdient. „Der SROI des Sports hat den Faktor 14, damit ist der Sport DIE gesellschaftliche Querschnittsmaterie schlechthin und wirkt nachweislich auf Bereiche wie Gesundheit, Bildung, Wirtschaft, Inklusion, Intergration, uvm. Wenn sich dieser Fakt auch in den Maßnahmen der Entscheidungsträger auswirkt, hat der Sport einen entscheidenden Schritt gemacht.

© Gabriele Griessenboeck
Sport & Marke1SPORTUNION bei Sport & Marke": Ex-Generalsekretär Stefan Grubhofer (2. li.), Christoph Hofmann (Leiter Sportabteilung; 3. v. li.), Christian Resch (Generalsekretär; 2. v. re.), Hendrik Welz (Social Media-Redakteur; 1. v. re.). Plus: Markus Binder (Skanbo; 1. v. li.)
© Gabriele Griessenboeck
Sport & Marke3Diskussion: "Sport für alle: Zugang, Finanzierung und Win-win-Modelle". Von rechts: Christian Resch (Generalsekretär der SPORTUNION), Conny Wilczynski (Co-Founder der Padelzone), Martin Dolezal (CEO der Snowsports Academy), Martin Reiner (CEO der HOB Sportstätten GmbH)

Qualität als Schlüssel

Einen zentralen Hebel sieht die SPORTUNION in gezielter Ausbildung: Jährlich werden über 6.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Vereinsakademie geschult – Funktionäre, Trainerinnen und Trainer. Reschs Überzeugung: Wer gute Qualität biete, kann auch bei Preisen selbstbewusst sein. Vereine könnten dann konsequent für ihr Angebot eintreten und es auch entsprechend bepreisen. Besonders am Herzen lag Resch der Kinder- und Jugendbereich: „Hier braucht es einen Kulturwechsel, entscheidend sollte nicht sein, dass man schon im frühesten Kindesalter Talentesichtung betreibt, sondern, dass Kinder mit möglichst vielen unterschiedlichen Bewegungserfahrungen aufwachsen, um dadurch der hohen Drop-Out-Rate aus dem Sport im Pubertätsalter entgegenzuwirken. Die anderen Diskussionsteilnehmenden stimmten zu: Wer früh polysportiv aufwächst, tue sich später wesentlich leichter.

Sport&Marek-Programm

Kein Kind bleibt außen vor

Was passiert, wenn Eltern schlicht kein Geld haben? Resch war hier unmissverständlich: Kein Kind werde weggeschickt. Sozialtarife und stille Einzelfallregelungen gehörten für die Vereine zur gelebten Praxis. Entscheidend sei aber, dass Vereine durch gute Ausbildung und starke Strukturen überhaupt in der Lage seien, solche Situationen aufzufangen.

Sport ist kein Bittsteller

Am Ende der Diskussion herrschte trotz unterschiedlicher Hintergründe – ob gemeinnützig oder privatwirtschaftlich – Einigkeit: Der Sport darf sich nicht länger in einer Bittstellerrolle sehen. Mit einem SROI-Faktor von 14 liefert er einen messbaren Mehrwert, der weit über die reine Bewegung hinausgeht. Die Politik ist gefordert, diese Zahlen ernst zu nehmen und Sport nicht als Freizeitthema, sondern als strategische Investition in die Zukunft der Gesellschaft zu behandeln. Vier Milliarden Euro an Inaktivitätskosten sprechen eine klare Sprache. Die Forderung war klar: Sport müsse als Querschnittsmaterie begriffen werden – als Antwort auf gesellschaftliche Herausforderungen aus Bildung, Gesundheit, Inklusion und Integration gleichermaßen.

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