Gastbeitrag von Mag. Daniela Pühringer
Was posten? Wie oft? Welche Plattform? Und darf man eigentlich Musik verwenden? Social Media muss für Vereine weder kompliziert noch perfekt sein. Daniela Pühringer verrät, worauf es wirklich ankommt – und warum der beste Content oft genau dort entsteht, wo gerade niemand an einen Social-Media-Post denkt.
Erst das Ziel, dann der Post
Der häufigste Fehler passiert laut Daniela Pühringer schon vor dem ersten Klick auf „Posten“: Vereine überlegen, was sie veröffentlichen, bevor sie wissen, was sie damit erreichen wollen. Neue Mitglieder gewinnen, Familien über das Vereinsgeschehen informieren oder für Sponsoren sichtbar sein – jedes Ziel braucht andere Inhalte. Wer alles gleichzeitig erreichen möchte, erreicht am Ende oft niemanden. Auch reine Ergebnis-Posts gehören für viele Vereine zum Standard. Besser jedoch ist das Drumherum: das Training am Dienstagabend, die Trainer:innen, die frühmorgens den Platz herrichten, die zehn Sekunden vor dem Start. Denn: „Leute interessieren sich für Leute.”
Einfach anfangen, konsequent dranbleiben
Social Media wird leichter, wenn klar ist, wer dafür verantwortlich ist. Denn: „Solange sich alle ein bisserl verantwortlich fühlen, fühlt sich niemand richtig verantwortlich.” Außerdem ist wichtig: KI und Tools wie Canva können euch erheblich in der Umsetzung unterstützen, jedoch ersetzen sie die Idee nicht.
Der beste Content passiert neben dem Spielfeld
Es muss nicht immer das große Highlight sein. Vorstellungsreihen funktionieren fast immer gut, ebenso wie Einblicke hinter die Kulissen: Wer trainiert hier? Wer steht an der Bande? Wer macht die Kantine? Wie schaut ein Training aus? „Und das Unspektakuläre: Aufbau, Anreise, Zusammenräumen. Tipps fürs eigene Training. Aber auch alles, was das Vereinsleben ausmacht, gerne auch mit Humor und Emotionen.”
Fotos, Musik und Jugendliche: Genau hinschauen
Beim schnellen Posten werden rechtliche Fragen leicht übersehen. Daher gilt immer: Rechte prüfen, Einwilligungen und das Recht am eigenen Bild beachten. Besonders bei Fotos von Kindern und Jugendlichen ist Sorgfalt gefragt. Auch bei Musik gibt es häufig Missverständnisse: „Ein Verein handelt als Organisation und postet damit nie privat. Metas Lizenz deckt das nicht ab. Für Musik daher lizenzierte Angebote nutzen, etwa die Sound Collection der Meta Business Suite in Verbindung mit einem Businessaccount”, betont Daniela.
Jugendliche als Mitgestalter
Jugendliche kennen die Sprache der Onlinewelt, nicht, weil sie sie gelernt haben, sondern weil sie damit aufgewachsen sind, und können Vereine dabei unterstützen, ihren Auftritt zeitgemäß zu gestalten. Gleichzeitig verändert sich der rechtliche Rahmen: Der Gesetzesentwurf zum Mindestalter von 14 Jahren für bestimmte Social-Media-Plattformen befindet sich seit Ende Juli in Begutachtung und soll nach derzeitiger Planung im Jänner 2027 in Kraft treten. „Das trifft eure jüngsten Mitglieder und muss mitbedacht werden”, betont Daniela.
Jugendliche einzubinden bedeutet auch, gemeinsam Regeln festzulegen: Was darf online? Wer ist verantwortlich? Und an wen können sie sich wenden, wenn etwas schiefläuft, ohne, dass es Ärger gibt?
Am Ende zählt das echte Vereinsleben
Bei aller Begeisterung für Social Media bleibt das Wichtigste dort, wo kein Handy gebraucht wird: im echten Vereinsleben. Beim gemeinsamen Training, beim Anfeuern, beim Lachen, Gewinnen und Verlieren. Social Media bietet den Mehrwert, diese Momente sichtbar zu machen und Lust darauf zu machen, Teil davon zu werden.

Foto: Reinhard Winkler
Mag. Daniela Pühringer
Mag. Daniela Pühringer macht digitale Themen zugänglich für Menschen und Organisationen, die in einer digitalisierten Welt nicht nur mithalten, sondern souverän agieren wollen. Als Expertin für KI-Kompetenz, digitales Marketing und Medienkompetenz entwickelt und leitet sie Workshops, Seminare und Vorträge für Unternehmen, Schulen und öffentliche Einrichtungen. Sie ist zertifizierte SaferInternet Trainerin und FH-Lektorin.
www.danielapuehringer.at
