Studie zur Geschlechtergerechtigkeit in der Sportberichterstattung präsentiert

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Sportlerinnen bekommen in vielen österreichischen Medien weit weniger Platz eingeräumt als Sportler, werden jedoch häufiger sexualisiert oder trivialisiert dargestellt. Zu diesem Ergebnis kommt die Medienstudie „Genderbalance in der Sportberichterstattung“. Die Studie sei jedoch nicht als „Abrechnung“ mit den Medien zu verstehen, sondern solle Bewusstsein schaffen und positive Entwicklungen ermöglichen, hieß es am Donnerstag bei der Präsentation im Bundeskanzleramt.

Die Studie wurde vom Verein exploristas initiiert und entstand in Kooperation mit dem Sportministerium, dem Bundeskanzleramt, der RTR und dem Verein 100 % Sport. Die Agentur MediaAffairs zeichnete für die Durchführung verantwortlich. Analysiert wurde die Berichterstattung von „Kronen Zeitung“, „Kurier“, „Oberösterreichische Nachrichten“, „Der Standard“, „Kleine Zeitung“ und „Tiroler Tageszeitung“. Auch relevante Social-Media-Sportkanäle sowie die beiden ORF-Sendungen „Sport am Sonntag“ und „Sport aktuell“ wurden sechs Monate beobachtet, wobei diese sich über einen Zeitraum von 13 Monaten verteilten.

Die Ergebnisse zeigen, dass jene den Athletinnen gewidmete Sportberichterstattung in den genannten Tageszeitungen lediglich zwölf Prozent ausmachte. Am niedrigsten war der Frauenanteil mit zehn Prozent im Sportteil der „Kronen Zeitung“, am höchsten mit 16 Prozent in den „Oberösterreichischen Nachrichten“. Handelte es sich um Einzelsportarten, kamen Sportlerinnen immerhin auf 23 Prozent Anteil in der Berichterstattung. Bei Mannschaftssportarten lag dieser jedoch nur bei zwei Prozent. Positiver Ausreißer in den medial präsentesten Sportarten war Ski Alpin. Hier kamen Sportlerinnen verhältnismäßig häufig, wenngleich nicht auf Augenhöhe vor. Die Studie veranschaulicht das mit einem Vergleich der Printberichterstattung an drei Tagen in vier Zeitungen über Doppelweltmeister Vincent Kriechmayr und Doppelweltmeisterin Katharina Liensberger. Über Kriechmayr wurde an den für die Erfolgsberichterstattung relevantesten Tagen um 46,6 Prozent mehr berichtet als über Liensberger.

Frauen sind in gewissen (Rand-)Sportarten präsenter vertreten

Ein Blick in die APA-Datenbank für das ganze Jahr offenbart ein etwas anderes Bild. Liensberger kam seit Jahresbeginn in den Zeitungen 1.741 Mal vor, Kriechmayr 1.879 Mal. In der APA-Berichterstattung selbst hatte Liensberger im laufenden Jahr mit 376 Nennungen gegenüber Kriechmayr (350) sogar die Nase vorn. Die neue Studie zeigt auch auf, dass in gewissen (Rand-)Sportarten Sportlerinnen präsenter in den Medien vertreten sind als Sportler. Nur wird etwa über Siebenkampf/Zehnkampf, Snowboard oder auch Rudern weit seltener berichtet als über Fußball, Tennis oder die Formel 1, wo Frauen selten bis gar nicht vorkommen.

Profisportlerinnen wurden laut der Studie achtmal häufiger sexualisiert dargestellt als Profisportler. Eine Trivialisierung – etwa durch Wörter wie „Madln“, „Küken“ oder auch „flotte Franziska“ – passierte dreizehnmal eher als bei Sportlern. Zu den beiden analysierten ORF-Sportsendungen hält die Studie fest, dass das öffentlich-rechtliche Medienunternehmen „etwas diverser und bunter berichtet als die analysierten Printmedien“. So kamen im untersuchten Zeitraum Sportlerinnen zu 15 Prozent in „Sport aktuell“ und zu 27 Prozent in „Sport am Sonntag“ vor. Auch wurden in den Sendungen Sportlerinnen und Sportler ähnlich aktiv gezeigt. Bemängelt wurde, dass die Sendezeit für Männer-Fußball in den TV-Sportnachrichten 252 Minuten betrug, aber für Frauen-Fußball nur fünf Minuten.

Ziel ist die Anhebung des Anteils von Sportlerinnen in der Sportberichterstattung

Frauen- und Medienministerin Susanne Raab hielt fest, dass Spitzensportlerinnen Vorbilder seien und Frauen und Mädchen Mut machen könnten. „Entscheidend ist hier nicht nur, dass über Frauen im Sport berichtet wird, sondern auch wie berichtet wird“, so Raab, die ausschließlich die Leistung der Sportlerinnen im Vordergrund wissen möchte.

Die Studie baut auf den Handlungsempfehlungen des EU-Aktionsplans „Gender Equality in Sport 2014 – 2020“ auf. Dessen Ziele sind etwa die Anhebung des Anteils von Sportlerinnen in der Sportberichterstattung auf langfristig 40 Prozent. Um dieses Ziel zu erreichen, nahm Vizekanzler und Sportminister Werner Kogler (Grüne) nicht nur die Medien in die Pflicht. Die geringe Sichtbarkeit von Frauen im Sport lasse sich zwar nur dann beheben, wenn sich „die Medien ihrer zentralen Rolle bewusst“ würden. Doch sei ihm sehr wohl bewusst, dass Medien unter anderem Interesse reflektieren und Erfolg für Interesse und somit auch die Werbewirtschaft wichtig sei.

Das Sportministerium arbeite etwa daran, Frauen verstärkt in Führungspositionen in Sportverbänden zu positionieren und fördere mit einem „Gender-Traineeprogramm“ Trainerinnen und Managerinnen. Mit dem Projekt „Dream Teams“ arbeite man zudem an der Professionalisierung österreichischer Frauenligen, wovon sich Kogler mehr Sichtbarkeit für diese verspricht.

Die Studie ist unter www.rtr.at/Studie_Genderbalance_Sportberichte abrufbar.

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