Quo vadis Sportsystem Österreich? Was wir von den Besten lernen können?

Anlässlich des Jubiläumsjahr „20 Jahre Sportpark Athletik“ hat die SPORTUNION Steiermark zur hochkarätig besetzten Diskussion geladen. Es wurden erfolgreiche, internationale Sportsysteme durchleuchtet und mit dem Österreichs verglichen. Was müssen wir in Österreich und speziell in der der Steiermark besser machen? Das Publikum, bestehend unterschiedlichsten Richtungen des Sports und Gesundheit, konnte sich auch in die von Moderatorin Anna Theresa Lallitsch geführten Diskussion einbringen. Speziell das Sportsystem der Steiermark hinkt auch national hinterher.

Die Ausgangslage: Ein Blick auf Zahlen und Realität

Ein Blick auf internationale Entwicklungen zeigt deutlich, vor welchen Herausforderungen der Sportstandort Österreich aktuell steht.

Die Kapazitäten des SPORTPARK-Athletikzentrums sind an ihre Grenzen gestoßen.
Wir brauchen in der Steiermark mehr Räumlichkeiten und eine auf in die Zukunft orientierte
Planung für unsere Sportlerinnen und Sportler!

Mag. Herwig Reupichler
Geschäftsführer für Leistungssport  SPORTUNION Steiermark

Internationaler Vergleich: Erfolgsmodelle im Fokus

Während Norwegen mit nur 5,5 Millionen Einwohner:innen bei den Olympischen Winterspielen bereits dreimal in Folge den Medaillenspiegel anführte, verfolgt man dort bewusst eine langfristige Strategie: Medaillen gelten nicht als primäres Ziel, sondern als Nebenprodukt eines Systems, das darauf ausgerichtet ist, möglichst viele Menschen – von der Kindheit bis ins hohe Alter – dauerhaft in Bewegung zu halten.

Auch im weiteren internationalen Vergleich wird die Diskrepanz sichtbar: Österreich erreichte bei den Olympischen und Paralympischen Spielen 2024 in Paris insgesamt neun Medaillen, während die Niederlande mit rund 18 Millionen Einwohner:innen auf beeindruckende 90 Medaillen kamen. Diese Unterschiede spiegeln sich nicht nur im Spitzensport wider, sondern sind tief im System verankert.

Sport & Gesundheit

Besonders deutlich zeigt sich das im Bereich Gesundheit und Prävention. Länder wie Schweden investieren gezielt in den Sport als gesellschaftspolitisches Instrument: Rund 0,6 % des Bruttoinlandsprodukts fließen dort in den Sportsektor, während es in Österreich lediglich 0,3 % sind. Gleichzeitig sind die Gesundheitsausgaben in Österreich mit rund 8 % des BIP deutlich höher als in Schweden, wo sie bei etwa 6,9 % liegen. Ein möglicher Grund dafür liegt in der stärkeren Verankerung von Bewegung im Alltag: Während es in Schweden gelingt, etwa 65 % der Jugendlichen auch über das 14. Lebensjahr hinaus im Vereinssport zu halten, sind es in Österreich nur rund 45 %.

Regionale Unterschiede: Steiermark im Vergleich

Auch auf regionaler Ebene zeigen sich klare Unterschiede. Bei den Olympischen und Paralympischen Spielen in Milano Cortina 2026 trug die Steiermark lediglich eine Medaille zum österreichischen Gesamtergebnis bei, während andere Bundesländer gemeinsam auf rund 30 Medaillen kamen. Parallel dazu wird auch bei den Investitionen in die Sportinfrastruktur ein Gefälle sichtbar: Während Bundesländer wie Vorarlberg jährlich rund zwei Millionen Euro für Sportzentren bereitstellen, liegt dieser Betrag in der Steiermark bei etwa 150.000 Euro.

Diese Zahlen verdeutlichen insgesamt: Erfolgreiche Sportsysteme entstehen nicht zufällig, sondern sind das Ergebnis klarer Prioritätensetzung, gezielter Investitionen und eines langfristigen Verständnisses von Sport als Grundlage für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Podiumsgäste

Trond Nystad (NOR)
Ehm. Langlaufnationalteamtrainer Norwegen, USA, Schweiz, Österreich, Deutschland
Monique Tijsterman (NL)
Nationalteamtrainerin Öst. Handball-Damen
Christoph Sumann (AUT)
ÖSV-Sportdirektor Biathlon, Olympiamedaillengewinner
Michael Schuen (AUT)
Ressortleitung Sport der Kleine Zeitung

Eine spannende Diskussion mit klaren Forderungen an die Politik:

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Trond Nystad
© David Pichler
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Monique Tijsterman
© David Pichler
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Christoph Sumann

Um im Sport erfolgreich zu sein, braucht man viele Kinder, die lange im Sport sind. Wenn sie länger im Sport sind, dann haben wir eine Chance auf Erfolg. Erfolg wird ja oft durch olympische Medaillen und Ergebnisse bei internationalen Events definiert, aber wir werden heute lernen, dass Erfolg im Sport auch bedeutet, dass viele Leute den Sport mit viel Freude lange betreiben. Und dafür müssen wir etwas tun: Wir müssen in Kinder investieren, wir müssen in die Infrastruktur investieren und wir müssen den Sport aktiv in die Schulen bringen, sodass mehr Kinder mit einem aktiven Lebensstil aufwachsen.

Ich hoffe natürlich, dass wir mit diesem Abend alle Personen erreichen, die mit Sport zu tun haben, und sie darüber informieren können, was wir brauchen, um Spitzensport zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass wir in Österreich viel Talent haben. Allerdings brauchen wir die richtigen Mittel, um dieses weiterzuentwickeln. Dazu gehört selbstverständlich Geld – das ist immer ein wichtiger Faktor. Gleichzeitig benötigen wir gute Trainer und bessere Vereinsstrukturen. Mit zusätzlichen finanziellen Mitteln könnten wir auch mehr trainieren. Und wenn wir viele Trainingsstunden absolvieren, haben wir die Chance, uns an die Weltspitze heranzuarbeiten.

Überall fehlt es an Geld, und Sport ist einer der Bereiche, die scheinbar der Politik nicht so wichtig sind. Dabei ist Sport so wichtig – es ist unser Leben. Die Geldbeträge werden dünner, aber das ist der falsche Weg. Wir sparen nicht nur im Sport, wir sparen damit auch bei der Gesundheit – wir spielen mit der Gesundheit. Es braucht ein Überdenken der Strukturen im österreichischen Sport: weg vom Gießkannenprinzip – ein bisschen Geld dahin, ein bisschen dorthin – hin zu mehr Struktur. Andere Länder wie Norwegen zeigen, wie es geht. Und irgendwann muss man aufhören zu denken, dass wir eine Sportnation sind – denn wir sind keine.

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