Rekord! Eva Wuttis fulminanter Marathon

Nur eine Woche nach der Valencia-Pleite kam der Triumpf! Österreichischer Marathon-Rekord in 2:30:43 Stunden!

Nach einem guten halben Dutzend coronabedinten Absagen von Marathons, an denen Eva 2020 starten hätte wollen, durfte die ehemalige Weltklasse -Triathletin der Sportunon Tri Styria, endlich im Dezember zeigen was sie drauf hat. Der erste Versuch am 6. Dezember im spanischen Valencia ging leider schief. Eva spürte schon nach Kilometer 10, dass ihre Beine heute für keine Großdaten bereit waren. Ab Km 15 lief sie nur noch schaumgebremst bis zum Halbmarathon, wo ihre warme Kleidung auf sie wartete. Im wahrsten Sinn des Wortes im Vorbeilaufen stellte sie dennoch in 1:15:29 h eine österreichische Jahresbestleistung auf. Das ist aber nicht ihr Anspruch. „Ich stieg frühzeitig aus, um meine Beine für Plan-B zu schonen“, gab die 31-jährige Ausnahmeathletin zu Protokoll. Plan-B bedeuteten die Marathonstaatsmeiterschaften in Wien, die nur eine Woche später ausgetragen wurden.

Eva Wutti VCM 2020

Bei 4 Grad, Nebel und einen zu bestehenden Coronatest, stellte sich die nach Eigendefinition „Warmwetterliebhaberin“ an die Startline im Prater. Einen vereinsinternen Pacemaker, Stefan Dullnig, hat ihr Trainer Herwig Reupichler mitgebracht und für dieses außergewöhnliche Event, einen coronakonformen Marathon im Dezember mit lediglich 100 Starter*innen, speziell vorbereitet. Auf der von ÖLV und VCM organisierten Veranstaltung galt es sechs Runden mit jeweils einer Spitzkehre zu bewältigen. Eva ließ sich nicht von querlaufenden Kindern, Hunden oder einem entgegenfahrenden Fiakergespann aus der Ruhe bringen und lief 32 Kilometer sogar unter dem Marschplan für die direkte Olympianorm. „Von meinem Trainer Herwig wurde ich mit einem dreistufigen Mentalplan ins Rennen geschickt. A) aufs Olympialimit anlaufen und schauen, wie weit die Beine mich tragen B) gelingt das nicht, kurz durchschnaufen und zumindest auf Personal Best laufen, im Idealfall noch den Österreichischen Rekord knacken und C) auf alle Fälle finishen und damit Staatsmeisterschaftsgold zu holen. Die ideale Version von Plan B ist es schlussendlich geworden!“, lacht die gebürtige Kärntnerin, die in Graz und Wien studierte und seit einem Jahrzehnt für den steirischen Verein SU TRI STYRIA startet und u.a. im Grazer Sportpark-Athletikzentrum trainiert.

Mit dieser Zeit von 2:30:43 hab ich auf die Sekunde genau den Rekord der großen Andrea Mayer eingestellt. Mit Andrea den Rekord zu teilen ist etwas ganz Besonderes!

strahlt die Mutter einer 5-jährigen Tochter im Ziel.

 

Eva Wutti ist mit ihrem fulminant gelaufenen Marathon einen sehr großen Schritt im Olympiaranking nach vorne gekommen. Lediglich die besten 80 Damen der Welt dürfen in Tokio bei den Olympischen Spielen im Sommer 2021 an den Start gehen. In Rio durften noch 160 Athletinnen die magischen 42,195 Kilometer um die Olympische Flamme in Angriff nehmen. Eva:

Man wächst mit der Herausforderung.

Die sportwissenschaftliche Analyse dieser Leistungssteigerung

Vor zwei Jahren lief Eva beim Vienna City Marathon eine Zeit von 2:37:59, jetzt 2:30:43 – sie ist also innerhalb von zweieinhalb Jahren um mehr als sieben Minuten besser geworden auf der Marathon-Distanz.

Nachgefragt wurde bei Evas Trainer Mag. Herwig Reupichler, Sportunion Steiermark:

Wie kann man diese Leistungssteigerung erklären? Was macht Eva Wutti so außergewöhnlich?

Evas Entwicklung ist für mich nicht überraschend und klar nachvollziehbar. Ja, sie hat 2018 einen 2:37:59-Marathon absolviert, aber das war noch aus ihrem Triathlontraining heraus. Noch dazu war sie damals noch stillende Mutter. Nun hat sich Eva auf das Marathontraining voll konzentriert. Die 2019er Marathonvorbereitung stand im Schatten ihres Pfeiferschen Drüsenfiebers. Da haben wir im Jänner mit weniger als fünf (!) –Stunden Training/ Woche quasi bei Null begonnen, im April ist sie dann 2:34:12 gelaufen.

Wie das möglich ist?

Man darf nicht vergessen, dass Eva bereits viele Jahre in einer Ausdauersportart Weltklasse war. Sie hat mehrere Ironmans gewonnen, hatte Jahresweltbestzeit, war drittschnellste Dame über die Ironmandistanz in der ewigen Weltbestenliste. Sie hat das Talent, die Trainingsjahre und einfach die Klasse. Das Coronajahr war auch für sie extrem schwierig, aber wir konnten viele Laufkilometer mit guter Qualität sammeln. Wir versuchen im Training neue Wege zu gehen, schielen immer wieder nach Norwegen, wo die wahrscheinlich besten Sportwissenschafter der Welt arbeiten und ziehen unseren Weg, der ganz speziell auf Eva abgestimmt ist, durch. Mit den Kollegen von SPORTPARK-ATHLETIK steht ein ganzes Team an Sportwissenschaftern, Psychologen, Ernährungswissenschafter, Physios, hinter ihr. Eva ist Vollprofi und eine begnadete Wettkämpferin. Hängt man ihr eine Startnummer um, wächst sie über sich hinaus. Und dennoch versteht sie es, im Kopf locker zu bleiben. Das ist eine Gabe. Das Gesamtpaket stimmt einfach bei ihr. Daher bin ich überzeugt, dass sie es zur Startlinie der Olympischen Sommerspiele schaffen wird. Und danach ist noch lange nicht Schluss. Es gibt Weltmeisterschaften und EMs, den VCM. Unser Anspruch ist es, im Rahmen des Möglichen vorne mit zu laufen.

Zufrieden sind wir, wenn Eva ihr Potential ausreizt.

Bis es soweit ist, warten aber noch viele tausende Trainingskilometer auf Eva.

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