Sehr geehrte Damen und Herren,
als Präsident der SPORTUNION Steiermark möchte ich meine Gedanken zu dem in den Medien diskutierten Kindergartenunfall mit Ihnen teilen.
Zuerst mit Staunen, dann aber doch mit einem gewissen Ärger folgt man der Darlegung einer OGH-Entscheidung zu einem Turnunfall in einem Kindergarten.
Ärger vor allem über die doch mit einiger Ahnungslosigkeit behaftete Argumentation des immerhin höchsten Zivilgerichts in unserem Land, über den Alltag der Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen, wie sie täglich in unseren Kindergärten, Schulen und Vereinen stattfindet. Ärger aber auch über die Kurzsichtigkeit und das Negieren wissenschaftlich fundierter Notwendigkeiten über das erforderliche Bewegen unserer Kinder aus medizinischer, pädagogischer und sportwissenschaftlicher Sicht und daraus abzuleitende Maßnahmen.
Kinder sollen nicht nur frühzeitig motorische und koordinative Fähigkeiten erlernen, sie brauchen für ihre persönliche Entwicklung auch körperliche Erfahrungen. Ein diesbezügliches Fordern und Fördern gelingt nicht „an der Hand“ einer Kindergärtnerin, Lehrerin oder Übungsleiterin. Die Auswirkungen fehlender Bewegung sind überall bereits sichtbar: schlechter physischer Zustand unserer männlichen Bevölkerung bei Stellungskommissionen, Zunahme von Unfällen aus Selbstüberschätzung mangels Erfahrungen mit dem eigenen Körper usw. Wir müssen Erwachsenen beibringen, wie man im Haushalt oder Betrieb auf eine Leiter steigt und unverletzt wieder herunter kommt, weil sie diesbezügliche Defizite aus der Kindheit mitbringen.
Ein „Sturz“ aus 60 cm Höhe auf eine Sicherungsmatte darf für ein fünfjähriges Kind kein Problem darstellen. Eine eventuell daraus resultierende Verletzung ist leider wirklich Pech und folgt man dem ärztlichen Gutachten scheint das ohnedies eine sehr aufgebauschte Geschichte zu sein. Allerdings eine mit Folgewirkungen.
Unsere Gesellschaft respektive die Politik reagiert auf den Bewegungsmangel und versucht gemeinsam mit dem organisierten Sport dem entgegenzuwirken. Initiativen wie Bewegungsland Steiermark oder jetzt die Tägliche Turnstunde sind Beispiele dafür. Solche Initiativen erfahren aber durch solche Urteile einen herben Rückschlag. Bewegungserfahrungen werden eben nicht in wattegefüllten Hochsicherheitszonen gemacht und auch nicht unter ständiger Handhaltung. Ja, man kann dabei hinfallen, kann sich verletzen und sich auch einmal etwas brechen. Wenn dies aber künftig zu gerichtlichen Auseinandersetzungen führt, wird Bewegung und Sport im Bereich von Organisationen wie Kindergarten, Schule und Verein zu starken Reduktionen im Angebot führen. Ein weiterer Rückschritt für die Bewegung, die in ihren Grundansätzen von motorischer und koordinativer Entwicklung ohnedies im Elternhaus zu entwickeln wäre, dort aber leider immer weniger stattfindet. Ein trauriger Tag für Bewegung und Sport.
Das gefällte Urteil ist somit kein Beitrag zum Wohle und Schutz unserer Kinder, sondern mit Sicherheit ein Beitrag um unsere verdienten Pädagoginnen und Pädagogen, Trainerinnen und Trainer zu verunsichern!
Mit freundlichen Grüßen,
Stefan Herker
Das könnte dich auch interessieren...
Quo vadis Sportsystem Österreich? Was wir von den Besten lernen können?
50 Tage Bewegung: Gemeinsam fit. Beweg dich mit!
Vom 7. September bis 26. Oktober laden wir alle Österreicher:innen ein, Teil der größten Bewegungsinitiative des Landes zu werden: 50 Tage Bewegung – bewusst, gemeinsam und mit Spaß! Ab dem 15. Juni 2026 sind Gemeinden, Vereine und interessierte Organisationen in ganz Österreich dazu aufgerufen, ihre Bewegungsangebote einzumelden.
Erste “Halbzeit” bei den Young Athletes
Von den Auftaktevents im März bis zu den ersten Präsenzcoachings im Juni: Die YOUNG ATHLETES aus allen vier Regionen haben ein intensives erstes Halbjahr hinter sich. Athletiktraining, Sportpsychologie und Ernährung standen dabei ebenso im Fokus wie der Austausch der Nachwuchstalente untereinander. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.
Moderne Vereinsverwaltung: „KASU wurde aus einem Verein für Vereine entwickelt”
Anmeldungen per E-Mail, Mitgliederdaten in Excel, Abrechnungen kurz vor dem Nervenzusammenbruch – für Hannes Blauensteiner, Obmann der SPORTUNION Tulln, Antrieb genug, selbst eine Lösung zu bauen. KASU digitalisiert und automatisiert die Vereinsverwaltung und gibt Ehrenamtlichen zurück, was ihnen am meisten fehlt: Zeit für den Sport. Im Interview erklärt Blauensteiner, wie KASU entstanden ist und was es von anderen Lösungen unterscheidet.
Heißer Sommer, kühler Kopf: So schützt du dich beim Sport
Der Sommer zeigt sich aktuell von seiner heißesten Seite. Vielerorts werden Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke erreicht. Sport und Bewegung bleiben wichtig für die Gesundheit – bei großer Hitze braucht es aber etwas mehr Aufmerksamkeit und die richtige Vorbereitung.
